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Einsatz von mikrobiologischen Sicherheitswerkbänken in der Papierrestauration– Vergleich Klasse I vs. Klasse II unter Berücksichtigung normativer Anforderungen (TRBA 240, EN 12469)


Einleitung

Die Restaurierung und Konservierung von Papier- und Pergamentbeständen birgt vielfältige Herausforderungen: Neben mikrobiellen Belastungen wie Schimmelpilzen und den üblichen Staub- und Partikelkontaminationen rücken zunehmend auch Archivalien mit Schadstoffen wie Asbestfasern oder quecksilberhaltigen Pigmenten in den Fokus. Beim Öffnen, Bewegen oder Reinigen solcher Objekte können gefährliche Partikel oder Aerosole freigesetzt werden, die eine zusätzliche Gefährdung für das Werkstattpersonal darstellen. In vielen Archiven und Bibliotheken wird zunehmend der Einsatz technischer Schutzeinrichtungen verlangt, insbesondere dann, wenn bei der Reinigung kontaminierter Bestände mit starker Aerosolbildung zu rechnen ist. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Auswahl einer geeigneten mikrobiologischen Sicherheitswerkbank (MSW) an Bedeutung – und zwar nicht nur im Hinblick auf den Personenschutz, sondern auch mit Blick auf Objektsicherheit, Ergonomie und Wirtschaftlichkeit. Im Folgenden wird dargestellt, weshalb eine MSW der Klasse I nach EN 12469 in Verbindung mit den Vorgaben der TRBA 240 in der Praxis der Papierrestauration meist die optimale Wahl darstellt – und warum eine Klasse II unter konservatorischen Gesichtspunkten eher Nachteile mit sich bringt.


Normativer Rahmen

Die TRBA 240 legt fest, dass bei Tätigkeiten mit biologisch kontaminiertem Archivgut – etwa mit stark schimmelbelasteten Objekten – technische Arbeitsschutzeinrichtungen erforderlich sind. In diesem Zusammenhang nennt die TRBA explizit mikrobiologische Sicherheitswerkbänke der Klasse I als geeignete Lösung. Die EN 12469 wiederum definiert die Leistungsanforderungen für Sicherheitswerkbänke: Wesentlich ist hier die Unterscheidung der Klassen-Schutzziele. Eine Klasse I-Werkbank schützt Personen und Umgebung, hingegen eine Klasse II zusätzlich einen Produkt-Schutz, also etwa sterile Bedingungen für Kulturen oder empfindliche Reagenzien. In der Praxis der Papierrestauration steht jedoch nicht die sterile Bearbeitung des Objekts im Vordergrund, sondern vielmehr der Schutz der Mitarbeitenden und der Arbeitsumgebung vor kontaminationsgefährdenden Bioaerosolen – eine Zielsetzung, die mit einer Klasse I-Werkbank vollständig erfüllt wird.


Anforderungen an die Ausstattung einer Sicherheitswerkbank für konservatorische Arbeiten

Eine Sicherheitswerkbank in einem Restaurierungsumfeld muss über die rein laborbezogenen Mindestanforderungen hinausgehen und spezifische Merkmale aufweisen, die den besonderen Bedingungen der Papier- und Pergamentbearbeitung gerecht werden. Dazu zählen unter anderem eine großzügige, möglichst durchgehende Arbeitsfläche, da großformatige Pläne, Folianten oder Karten aufgelegt werden müssen und dabei keine störenden Ansauggrills oder Rillen die Bearbeitung behindern dürfen. Die Scheibenhöhe sollte so bemessen sein, dass aufgeschlagene Bände gut bearbeitet werden können, auch mit Werkzeugen und Dokumentationsmitteln. Eine glatte Arbeitsplatte ohne Unterteilungen oder Spalten erleichtert zudem die Reinigung und minimiert die Gefahr von Partikelablagerungen oder Mikroorganismenansammlungen. Wichtig sind weiterhin einfache aber effektive Abfallmanagement-Lösungen: Der Arbeitsraum sollte so gestaltet sein, dass Schwammabrieb, Papierstaub oder Rückstände sicher aufgenommen und ohne erneute Verwirbelung entsorgt werden können. Zudem ist eine möglichst leise Arbeitsatmosphäre von Vorteil – Restaurator:innen arbeiten häufig über mehrere Stunden, und hohe Geräuschpegel wirken ermüdend und beeinträchtigen Konzentration und Genauigkeit.


Warum eine Klasse I-Werkbank die geeignete Wahl ist

Bei der Auswahl einer Sicherheitswerkbank für archivarisch-restauratorische Anwendungen sprechen mehrere Aspekte zugunsten der Klasse I. Erstens entspricht sie direkt den Anforderungen der TRBA 240, ohne Mehrschutzanforderungen einzuführen, die in diesem Umfeld nicht erforderlich sind. Zweitens erlaubt das Funktionsprinzip – eine Inflow-Strömung durch die Frontöffnung in Verbindung mit HEPA-gefilterter Abluft – eine einfache und effiziente Lösung zur Aufnahme kontaminierter Luft. Diese Konstruktion benötigt keine aufwändige Laminar-Downflow-Strömung über die Arbeitsfläche, was sowohl die Konstruktion als auch den Betrieb vereinfacht. Drittens bietet eine Klasse I-Werkbank typischerweise eine größere nutzbare Arbeitsfläche, da keine frontseitige Ansaugstruktur oder vertikale Luftschirme vorhanden sind, die das Auflegen großer Pläne oder das Arbeiten mit aufgeschlagenen Büchern behindern könnten. Viertens sind Geräusch- und Folgekosten in der Regel niedriger: Da weniger Luftvolumen bewegt und weniger Filter benötigt werden, sinkt der Wartungsaufwand, die Kosten für Filterwechsel und Service sind geringer – ein wirtschaftlich gewichtiger Faktor, insbesondere für Einrichtungen mit begrenztem Budget. Und schließlich: Aus konservatorischer Sicht verleiht der Verzicht auf Ansauggrills in der Arbeitsfläche und auf segmentierte Platten eine höhere Objektsicherheit – empfindliche Blattkanten oder Pigmente werden nicht in unmittelbare Ansaugzonen gezogen, und glatte Arbeitsflächen ohne Rillen minimieren mechanische Risiken beim Bearbeiten.


Warum eine Klasse II-Werkbank häufig ungeeignet ist

Obwohl Klasse II-Werkbänke in mikrobiologischen Laboratorien standardmäßig eingesetzt werden, ergeben sich im Kontext der Papierrestaurierung mehrere gewichtige Nachteile. Die vertikale Laminarströmung, die für einen Produkt-Schutz vorgesehen ist, kann bei empfindlichen Blättern eine unerwünschte Luftbewegung verursachen und Partikel unkontrolliert verschieben oder gar Pigmente ablösen. Die Notwendigkeit einer Zuluftführung, oft über Frontgrills, und einer Rezirkulation führt zu einer komplexeren Konstruktion mit höherem Geräuschpegel – was im Werkraum zu Belastungen führen kann. Hinzu kommt ein höherer Filter- und Wartungsaufwand: Rezirkulationsvolumen, zusätzliche Filter und aufwendigere Prüfzyklen führen zu höheren Betriebskosten und womöglich längeren Stillstandszeiten. Arbeitsflächen sind oft kleiner, da die Strömungsführung und Filtereinbauten Raum beanspruchen; großflächige Objekte können dadurch schlechter bearbeitet werden. Nicht zuletzt erschwert die Frontgröße oder Scheibenhöhe mancher Klasse II-Modelle das ergonomische Arbeiten mit aufgeschlagenen Bänden oder dicken Objekten – ein nicht unerheblicher Nachteil in der Praxis.


Fazit

Die Anforderungen der Papier- und Pergamentrestaurierung – Personenschutz bei Bioaerosol-Exposition, Objektschonung, ergonomisches und wirtschaftliches Arbeiten – lassen sich mit einer Sicherheitswerkbank der Klasse I nach EN 12469 hervorragend erfüllen. Auch Richtlinien und Normen wie die TRBA 240 sprechen für diesen Ansatz. Der Einsatz einer Klasse II-Werkbank hingegen bringt in diesem spezifischen Anwendungsumfeld eher Nachteile mit sich: höhere Kosten, höhere Geräuschbelastung, begrenzte Arbeitsfläche und erhöhte mechanische Risiken für die Objekte.

Für Restaurierungs- und Konservierungswerkstätten empfiehlt es sich daher, bei der Planung und Ausstattung klar auf eine Klasse I-Werkbank zu setzen und dabei auf spezialisierte Anpassungen zu achten – wie etwa eine großzügige glatte Arbeitsplatte, ausreichende Scheibenhöhe, leise Bedienung und einfache Wartung. So lassen sich normative Anforderungen und konservatorische Praxis optimal in Einklang bringen – mit Sicherheit für Mitarbeitende und Werkstücke gleichermaßen.

Informationen zu unserer NuAire A-813, einer Sicherheitswerkbank der Klasse 1 in einer speziellen Version für Arbeiten mit Archivgut, finden Sie hier.

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